Über das Wirken und Leben des
4. Großmeysters des PUCHBERGER RITTERBUNDES IM SCHWEINACHGAU -
ULFO VON FLAMMENBURG

Fürbass erstaunt war Puchbergs Ritter Wolf von Findelsteyn, als er in der Jahrung 2011
beim „Umkrempeln“ seines Dachbodens auf einen wahren „Schatz“ stieß:
aus einer alten Korbtruhe kramte er ein verglastes Bild hervor,
eine Photoaufnahme aus der Jahrung 1800 und 82 mit 27 „gestandenen Recken",
die sich vor einer mächtigen Burgkulisse postierten.

 


                     
                                                                                           


Links unten, auf einem Schilde eingraviert “Die Puchberger, gegründet 1865“,
und rechts unten im Eck das Puchberger Wappen mit den drei Halbmonden.

    In der Mitte, auf einem kleinen "Feldherrnhügel“, der Großmeyster ULFO VON FLAMMENBURG.

Warum stand er wohl auf solch einer „Erhöhung"? Und wo wurde diese Aufnahme gemacht?
Ganz unten links der Vermerk: In einem Atelier zue Deggendorf!

Und diese Photoaufnahme vor anno 130 Jahren wird nun zu einem wichtigen Dokument!

Zunächst die Frage: W a r u m war dieses Bild so wichtig, dass es damals mit so viel Aufwand im
„Photokasten“ festgehalten wurde?

Beim Nachschlagen in den Aufzeichnungen des  2000 und 5 dazue all zu früh nach Walhall abgerittenen
viellieben Recken HARTLIEB VON PUCHBERG und auf Grund des sachverständigen Urteils des Kreisheimatpflegers
Georg Loibl konnte der Sachverhalt eindeutig geklärt werden: ULFO VON FLAMMENBURG
war am 29. im Christmond 1800 und 81 dazue zum 4. Großmeyster erkürt worden. Und zu diesem Anlasse
hatte man den recht beschwerlichen Weg nach Deggendorf (rund eine Meile = 10 km) zu einem Photoatelier
auf sich genommen, um mit allen Mannen den Amtsbeginn des neu ernannten Großmeysters zu dokumentieren.
1800 und 82 dazue, also vor 130 Jahren, muss diese Aufnahme entstanden sein.


  
Aus dem ritterlichen Leben des ULFO VON FLAMMENBURG


ULFO VON FLAMMENBURG war schon als „blutjunger“ Ritter eine angesehene Persönlichkeit
im ganzen Ritterreich. Höret und staunet: Schon im Alter von 23 Jahren übernahm er die
verantwortungsvolle Aufgabe eines Großmeysters. Und wie lange? Doch dazu später.

In der Jahrung 1890 leitete er in Hengersberg den „4. Reichstag der
Vereinigten Ritterschaften“. 21 Ritterbünde aus Deutschlands und Österreichs Gauen
waren zu dieser wichtigen Zusammenkunft angesprengt. Durch Wahl wurde er damals
zum "Bundesrath für Bayern“ ernannt. Dieses Amt übte er aus bis zum Jahre 1895.

Vorher hatte sich der Hochedle am Gautage bei den Hilgartsbergern zue Osterhofen
beteiligt, 1887 am 1. Reichstag zue Aibling bei den Wendelsteinern teilgenommen,
ebenso im Jahre 1889 am 3. Reichstag zue Vindobona. Seine Anritte führten ihn kreuz und quer durchs Reich. Er wurde mit vielen Ehrungen bedacht. U. a. war er Träger des
„Großkreuzes des Puchberger Hausordens“, des
„Großkreuzes des Mauritiusordens der Puchberger“, er war „Ehrengroßcomthur“ und Besitzer des
Josephiordens der Treue im Ritterorden“ vom Grünen Humpen zu Vindobona, Comthurkreuzträger und
Ehrencomthur der Ritter vom Hl. Grabe zu Innsbruck, Ehrengroßcomthur der Katzensteiner zue Landshut,
Ehrengroßmeyster, Besitzer des Hilgartsberger Hausordens und des
Ehrengroßkreuzes der Hilgartsberger,

 Ehrengroßcomthur der Halser, Ehrenritter und Ritterkreuz des Wendelsteiner
Verdienstordens zu Aibling, Ehrenritter und Besitzer des Ritterkreuzes der
Grünwalder zu München, Ehrenritter der Sylvensteiner zu München und Besitzer
des Findelsteiner Hausordens.








Sein Wahlspruch lautete:

SINGEN; TRINKEN; LIEBEN; RITTERLICHES ÜBEN!

In einem großen Festkapitel im Jahr 1932 konnte er mit vielen ritterlichen Freunden sein 50-jähriges
Großmeysterjubiläum feiern. Für die langjährige erwiesene Treue zum Deutschen Ritterbund sowie für
53 Jahre als Großmeyster der Puchberger erhielt er 1934 aus der Hand des Hochmeysters die
„Großcomthurwürde“ des Deutschen Ritterbundes.

Am 22. im Wonnemond 1935 wurde ULFO V. FLAMMENBURG vom Obrist Lehensherrn im 77. Jahr seines
irdischen Daseins in den ewigen Kapitelsaal abberufen - nach ununterbrochenen 53 Jahren im Großmeysteramt!  

Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung sowie seiner ritterlichen Freunde wurde er zu Grabe getragen.

Einen 5. Großmeyster brauchten die Recken damals nicht mehr zu benamsen, denn der
„größte Führer aller Zeiten“ ließ alsbald alle Burgen im Deutschen Ritterreich schleifen. Ein Opfer dieser
überfallartigen Maßnahme war auch die bis dahin in schweinsledernem Einbande geführte CHRONIKA der PUCHBERGER!


Aus dem profanen Leben des ULFO VON FLAMMENBURG

Im Profanen benamste er sich J o s e f  S t r e i b l, er war Großbrauereibesitzer, Gastronom und Ökonom,
im Markt Hengersberg in wichtigen öffentlichen Gremien tätig, unterstützte gesellige Vereine, so zum Beispiel
die Liedertafel und den Hochrad-(Veloceped) Club, und er ließ sich für viele Jahre zum Landrat in den
Niederbayerischen Bezirkstag wählen. Bis zu seinem Ableben galt er als einer der angesehensten Bürger des Marktes.
Dies beweist ein profanes Bild aus der Jahrung 1900 und 31 dazue:

                                      

Die Honoratioren Hengersbergs treten in Reih und Glied an zur1200-Jahr Feier des Klosters Altaich
(Josef Streibl in der ersten Reihe – Mitte -)

Josef Streibl hatte zwei Söhne - den Josef, der leider aus dem Ersten Weltkrieg nicht mehr heimkehrte.

Und Max, der 1928 nach Oberammergau zog und dort das Hotel ‚‚Wittelsbach‘‘ übernahm.

Und auch das soll nicht vergessen sein:

ULFO VON FLAMMENBURGs Enkel - Hengersbergs EHRENBÜRGER und

EHRENSASSE der Puchberger

Wieder dessen Sohn Max, geb. 1932 in Oberammergau, also der Enkel von Josef Streibl alias ULFO VON FLAMMENBURG,
war als Dr. Max Streibl von 1962 bis 1994 Mitglied des Bayerischen Landtags, wurde 1970 mit der Übertragung des
neugeschaffenen Ministerium für Landesentwicklung und Umweltfragen der erste Länder-Umweltminister in der
Bundesrepublik Deutschland
, 1977 Bayerischer Finanzminister und 1988 nach dem Tod von F.J. Strauß sogar
Bayerischer Ministerpräsident! Man gab ihm aber wegen der sog ‚‚Amigo-Affäre“ 1993 den „Laufpass“ –
er musste zurücktreten. Diese Intrige hatte ihn ungemein geschmerzt. Der Verfasser dieses Artikels hatte selbst
damals „hinter die Kulissen“ schauen können und weiß, wie „unritterlich“ man mit Dr. Max Streibl umgesprungen war.

1996 sprach der Mega-Petrol-Untersuchungsausschuss des Landtages ihn übrigens von allen damals
erhobenen Vorwürfen frei.

Er starb am 11. Dezember 1998.

Und die Puchberger Ritter werden ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren!

Beim Generalkapitel am 27. im Eismond dieser Jahrung gedachten sie ihres herausragenden Puchbergers
ULFO VON FLAMMENBURG. Der dabei wieder im seinem Amt als 5. Großmeyster bestätigte Hanns von Aychpergh
ist damit übrigens bereits seit 18 Jahren in Amt und Würden! Unbestätigt ist allerdings das Gerücht, er strebe die
magische Zahl „53“ an...!

 

Wolf von Findelsteyn

Kellermeyster und Burgschalk
der Puchberger

                                                                                                                                         

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